Dienstag, 12. Dezember 2017

Von alten Bäumen und Wundern


Ausnahmsweise heute mal ein interessanter Artikel in SPON, muss ich zugeben, nicht reisserisch, oberflächlich oder manipulativ.

Pando (von lateinisch pandere „ausbreiten“) ist eine Klonkolonie der  Amerikanischen Zitterpappel (Populus tremuloides) im Fishlake National Forest in Utah, USA, die als das älteste und schwerste bekannte Lebewesen der Erde gilt. Die Amerikanische Zitterpappel bildet als Genet bezeichnete Kolonien, deren Baumstämme über Rhizome (Gesamtgewicht ca. 6000 Tonnen) miteinander verbunden sind und somit einen einzelnen Organismus bilden. Die einzelnen (oberirdisch sichtbaren) Bäume sind genetisch identisch. Während einzelne Baumstämme absterben und neue hinzukommen, besteht die Kolonie als Ganzes fort. Seit geschätzt 80.000 Jahren. 





Unglaublich und faszinierend, für mich als Baumliebhaber sowieso.





Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Pando_(Baum)

Freitag, 8. Dezember 2017

Die Hauptstadt Jerusalem

Jerusalem ist die Hauptstadt des Staates Israel, Regierungssitz, Sitz des Parlaments und des Obersten Gerichts. Dies als ausländischer Staat nicht anzuerkennen, ist ein Witz. Dies ist ein Fakt, dessen "auswärtiger" Anerkennung es nicht bedarf.

Wollen wir oder irgend ein anderer Staat der Welt andere Staaten darüber bestimmen lassen, welche Stadt als Hauptstadt anzuerkennen ist? Nach der Rede von Trump, dessen Politik ich keineswegs gut finde, ist die Aufregung gross. Wo war diese, als Russland im Frühjahr mitteilte, Jerusalem als Hauptstadt anzuerkennen?

Man muss in dieser Frage, die leicht zu beantworten ist, nicht die ganze Problematik des Nahost-Konflikts hinein versenken, die durch Angriffskriege, Terror, Hass auf Israel und die Juden und die Verteidigung Israels gekennzeichnet ist. 

Diverse Annäherungen wurden immer wieder durch Gewalt und Terror (Hamas, Hisbollah, Fatah) behindert, was wiederum Selbstverteidigung nach sich zog. Auch das sind Fakten. Als Lösung kommen nur zwei unabhängige Staaten, in friedlicher Koexistenz in Frage. Solange das Existenzrecht Israels von Nachbarstaaten oder Organisationen, welcher Art auch immer, nicht vorbehaltlos zugestanden wird, ist eine Lösung nicht vorstellbar. Schon alleine daran mangelt es.

Gleichzeitig findet eine Ausstellung über Märtyrer in Berlin statt, die einem Hauptakteur des Bataclan-Attentats ein Podium bietet. Wie verbohrt ist diese Welt denn? Warum nicht auch die Attentäter des World Trade Centers ausstellen oder den Attentäter von Orlando oder von Columbine. Martyrium bedeutet für jedoch - ich kann ich da irren - für seine christliche Überzeugung, seinen entsprechenden Glauben zu leiden und den Tod zu erdulden. Nicht jedoch den Tod anderer herbeizuführen. Das nenne ich Mord, wenn es sich nicht um Notwehr handelt.

Dienstag, 5. Dezember 2017

Dr. Oliver Sacks - Der Strom des Bewusstseins

Wenn es einen Schriftsteller gibt, dessen Bücher ich mit besonderem Genuss lese, ach was, verschlinge, dann sind es die von Dr. Oliver Sacks, einem durch seine Bücher und seine klinischen Forschungen und Beschäftigung mit Patienten der Neurologie weltbekannten Professor der Neurologie. Seine besondere Begabung bestand darin, er verstarb 2015 mit 82 Jahren in New York, komplexe und faszinierende Krankheitsbilder anschaulich und verständlich darzustellen und dabei herauszuarbeiten, was diese Krankheiten uns über das Verständnis des menschlichen Gehirns verraten können. Und wir erfahren, wie fragil dieses Gehirn sein kann, aber auch wie mächtig und komplex.




Foto: https://vtworks.wordpress.com/2015/08/31/an-evening-with-oliver-sacks/


Einige seiner Bücher:

"Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte", Der Tag, an dem mein Bein fortging", "Der einarmige Pianist" usw. (alle bei Rowohlt erschienen).

Dieser Schriftsteller, der auch ein begeisterter Musikliebhaber war, begleitete mich seit vielen Jahren. Immer wenn ich in die USA reiste, schaute ich in Buchläden nach neuen Werken und zweimal war tatsächlich gerade ein neues Werk herausgekommen (zuletzt "Musicophilia" oder auf deutsch "Der einarmige Pianist".

Oliver Sacks beschreibt Menschen, die aufgrund Verletzungen oder anderer Beeinträchtigungen des Gehirns sich nicht mehr "normal" verhalten, sie sind sozusagen aus der Normalität gefallen, ohne eigenes Zutun. In der Beschäftigung mit diesen Patienten, deren Krankheitsbilder mit Parkinson, Demenz, Tourette-Syndrom, Autismus, Agnosie oder Gehörlosigkeit bezeichnet werden, beschreibt er vor allem die Lebensumstände der Patienten und nicht nur den rein medizinischen Aspekt.

Eines seiner Bücher, Zeit des Erwachens, wurde mit Robin Williams und Robert de Niro verfilmt.



Foto: https://twitter.com/oliversacks

Sein Humor, seine Anekdoten, seine grosse Empathie für die ihm anvertrauten Menschen und seine eigenen wissenschaftlichen Überlegungen machen diese Bücher zu einem Erlebnis, zu einer Abenteuerreise in das Reich des Gehirns und zu einer Begegnung mit einem grossen Menschenfreund.

Heute habe ich sein letztes Buch gelesen, das er kurz vor seinem Tod noch abschiessen konnte: 

"Der Strom des Bewusstseins" (Rowohlt).

Wiederum ein faszinierendes und grossartig unterhaltendes Werk, das er wohl als Resümée seiner Arbeit verstand, dem Wirken des menschlichen Gehirns, dem Bewusstsein näher zu kommen.

Dabei spricht er mit der Bezeichnung "Verfrühung" ein (wissenschaftliches) Phänomen an, dass dadurch gekennzeichnet ist, dass geniale Ideen, großartige neue Theorien und Konzepte in der Wissenschaft manchmal zu früh kommen. Zu früh, weil die Zeitgenossen, die Fachwelt noch nicht bereit sind dafür, das Neue nicht erkennen können oder wahrhaben wollen. Die Wissenschaftsgeschichte ist ja keineswegs nur eine der fair wettstreitenden Wissenschaftler, die nur Argumente austauschen, sondern sie ist auch geprägt von Rivalität, Obstruktion und Gegnerschaft.

So wurden z.B. Mendels Gesetze über Vererbung, die ihrer Zeit "himmelweit" voraus, waren, übersehen, vergessen. Die Entdeckung der Farbenblindheit, die aufgrund einer Gehirnläsion erfolgt, wurde bereits 1888 vom Schweizer Verrey diagnostiziert und ausführlich beschrieben (er lokalisierte sogar die entsprechende Gehirnregion). Aber 75 Jahre lang existierte dieses Phänomen in der Fachwelt überhaupt nicht, weil es sich nicht mit dem damaligen Verständnis deckte, dass Sehen ein Prozess ist vergleichbar dem Fotografieren mit einer Kamera. Das Gegenteil ist aber der Fall.

Archimedes Entdeckung der Integralrechnung nahm bereits die grossen mathematischen Entdeckungen von Newton und Leibniz teilweise vorweg, sie waren jedoch viele Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, kamen also auch zu früh. Im 3. Jahrhundert vor Christus entwarf Aristarch, ein griechischer Philosoph und Mathematiker ein heliozentrisches Weltbild, das von den Zeitgenossen durchaus verstanden und akzeptiert worden war. Doch Jahrhunderte später stellte Ptolemäus mit seinem geozentrischen Weltbild dies auf den Kopf und zwar mit einer "babylonischen Kompliziertheit", bis Kopernikus dies wieder Jahrhunderte später zurecht rückte.

Darwin, so Sacks weiter, habe oft erklärt, dass niemand ein guter Beobachter sein könne, der nicht auch ein Theoretiker sei. Andererseits dürfe man aber bei seinen Forschungen auch nicht zu dogmatisch sein, sondern offen für die kleinsten Abweichungen und diesen nachspüren.

Für mich als Musikliebhaber ist "Musicophilia" mein Lieblingsbuch aus der Feder von Dr. Oliver Sacks. 




Montag, 4. Dezember 2017

Schwarmintelligenz

Bei Vögeln, Fischen und Insekten sehr verbreitet, die Schwarmintelligenz. Man denke nur an ein Bienenvolk, einen Ameisenstaat, einen Fischschwarm, eine Vogelschar, wie hier kürzlich an einem Spätherbsttag in der Nähe von Freiburg.




Die einzelnen Schwarmmitglieder schaffen ein koordiniertes, zielgerichtetes Verhalten, das anscheinend ohne grössere Störungen abläuft. Dabei kommen wohl Verhaltensweisen zum Tragen, die höheren Tieren und uns abzugehen scheinen. 

Die Stare in diesem Video kollidieren nicht, sammeln sich immer wieder neu und wechseln oft die Richtung. Je höher die Individualität von Lebewesen ausgeprägt ist, um so mehr scheint sich dieses Verhalten zu verlieren. Bei intelligenteren Spezies kommt Schwarmintelligenz praktisch nicht vor, höchstens in ihrer gegenteiligen Gestalt, als Panik.

Während die Stare sich bei geselligem Aufbruch in die Winterferien nach Süden verabschieden, schaffen wir Menschen es nicht, als Kollektiv die Lebensgrundlagen zu schonen, Kriege zu beenden oder für eine ausreichende Verteilung der Nahrungsvorräte zu sorgen, ohne anzustossen.